Gesellschaft

Demograf Poznjak: Rückkehraufrufe an Ukrainer im Ausland sind derzeit unvernünftig

Der Demograf Oleksij Poznjak vom Institut für Demografie und Sozialforschung erklärte am 9. September 2026 in RBK-Ukraine, pauschale Appelle zur Rückkehr ukrainischer Geflüchteter seien gegenwärtig nicht rational.

Der Demograf Oleksij Poznjak hält allgemeine Aufrufe an Ukrainerinnen und Ukrainer im Ausland, in die Ukraine zurückzukehren, derzeit für unvernünftig. In einem am 9. September 2026 veröffentlichten Interview mit RBK-Ukraine sagte der leitende wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Demografie und Sozialforschung der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, die aktuelle Sicherheitslage und die Erwerbsmöglichkeiten im Ausland ließen pauschale Rückkehraufforderungen als realitätsfern erscheinen.

Poznjak begründete seine Einschätzung mit zwei Faktoren: Erstens hätten viele Ausgereiste in den Aufnahmeländern relative Sicherheit und stabilen Zugang zum Arbeitsmarkt gefunden. Zweitens hänge eine Rückkehr maßgeblich von Bedingungen ab, die staatliche Appelle allein nicht herstellen könnten, darunter eine spürbare Verbesserung der Sicherheitslage, verlässliche wirtschaftliche Perspektiven und konkrete Reintegrationsprogramme. Solange diese Voraussetzungen fehlten, sei es nicht zielführend, Erwartungen an eine schnelle, breite Rückkehr zu wecken.

Nach Poznjaks Darstellung hat die große Fluchtbewegung nach 2022 inzwischen an Dynamik verloren. Ein erheblicher Teil der Betroffenen habe sich im Ausland eingerichtet. Vor diesem Hintergrund rät er, politische Maßnahmen auf gezielte Anreize und belastbare Rahmenbedingungen zu konzentrieren, statt auf generelle Appelle. Dazu zählt er Investitionszusagen, Planungssicherheit für Arbeitgeber und Rückkehrende sowie administrative Unterstützung, etwa bei Anerkennungen, Wohnungssuche und Kinderbetreuung.

Seine Aussagen reihen sich in eine länger laufende Debatte innerhalb der ukrainischen Demografieforschung ein. Fachleute der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine weisen seit Längerem darauf hin, dass Rückkehrprozesse stark von Sicherheitswahrnehmung, Arbeitsmarkt, sozialen Garantien und der Verlässlichkeit staatlicher Programme abhängen. Zugleich warnen sie vor überzogenen Erwartungen an kurzfristige Effekte und plädieren für eine nüchterne Abwägung zwischen innenpolitischem Bedarf an Fachkräften und den individuellen Lebenslagen der Geflüchteten.

Poznjak trennt in dem Interview klar Beobachtungen und Bewertung: Er beschreibt gegenwärtige Rahmenbedingungen und leitet daraus politische Prioritäten ab, ohne konkrete Quoten oder Fristen zu prognostizieren. Welche demografischen Folgen sich mittel- und langfristig ergeben, macht er ausdrücklich von der weiteren Sicherheitsentwicklung und der Qualität der staatlichen Maßnahmen abhängig. Verlässliche Vorhersagen dazu lägen derzeit nicht vor.

Aus seiner Sicht gilt damit: Wer Rückkehr fördern will, sollte Sicherheit schaffen, wirtschaftliche Anreize setzen und formale Hürden senken – und bis dahin auf pauschale Rückkehraufrufe verzichten.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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