Die Ukraine drängt auf schnelle zusätzliche Luftabwehrmittel: Verteidigungsminister Yevhenii Khmara hat die E5-Staaten Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Polen und Italien aufgefordert, je zehn Prozent ihrer vorhandenen Bestände an Abfangraketen für die Systeme Patriot und IRIS-T an Kyjiw zu übergeben. In seiner Ansprache an Vertreter der fünf Länder am 26. Oktober erklärte Khmara, die Übergabe solle mit bereits vertraglich zugesagten künftigen Lieferungen verrechnet werden. Nach ukrainischer Darstellung sind diese Folgelieferungen über einen Kreditrahmen der Europäischen Union finanziell hinterlegt.
Begründet wird der Vorstoß mit akuter Dringlichkeit vor der Winterperiode. Nach Angaben des Ministeriums für Verteidigung der Ukraine seien reguläre Bestellungen zwar angelaufen, Produktions- und Lieferfristen reichten jedoch teils über Jahre. Eine Zwischenlösung über Abgaben aus bestehenden Beständen könne aus Sicht Kyjiws die Schutzlücke gegen russische Raketen- und Drohnenangriffe verringern. Khmara sprach in diesem Zusammenhang auch über die Ausweitung gemeinsamer Rüstungsfertigung, etwa bei Drohnenkomponenten und Munition.
Konkrete Zusagen der angesprochenen Partner liegen bislang nicht vor. Bestände an Abfangraketen und detaillierte Lieferpläne sind in den betroffenen Staaten in der Regel vertraulich; unabhängige Angaben zu Umfang und Verfügbarkeit existieren öffentlich nur in groben Bandbreiten. Der von Khmara genannte Anteil von zehn Prozent ist eine Forderung der ukrainischen Seite. Ob und in welchem Umfang E5-Regierungen darauf reagieren, bleibt offen.
Politisch ist die Initiative heikel. Transfers aus nationalen Depots berühren die Einsatzbereitschaft und Munitionsplanung mehrerer NATO- und EU-Staaten. Zugleich hängt die praktische Umsetzbarkeit an industriellen Kapazitäten, um entnommene Bestände zügig zu ersetzen. Khmara argumentiert, die Verrechnung mit bereits gebuchten künftigen Lieferungen gebe den Partnern Planbarkeit und mindere haushalterische Risiken.
Rechtlich denkbar wären direkte Abgaben, befristete Überlassungen oder bilaterale Verrechnungen mit späteren Lieferterminen. Offizielle Bestätigungen zu Stückzahlen, Zeitplänen oder Änderungen nationaler Bestandsplanung liegen derzeit nicht vor und müssten von den jeweiligen Regierungen veröffentlicht werden. Klar ist: Die ukrainische Führung setzt in den kommenden Monaten auf eine Mischung aus kurzfristigen Überbrückungslieferungen und dem Hochlauf der laufenden Beschaffungen. Welche Rolle die E5-Staaten dabei übernehmen, entscheidet sich erst mit den anstehenden politischen Antworten in Berlin, London, Paris, Warschau und Rom.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).