Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit dem Wall Street Journal erklärt, Russland habe im Jahr 2026 etwa 890 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums eingenommen, während die ukrainischen Streitkräfte rund 800 Quadratkilometer zurückgewonnen hätten. Aus der Differenz leitete er ab, dass Moskau netto „ungefähr 90, sagen wir 100 Kilometer“ hinzugewonnen habe. Zugleich bezifferte Selenskyj die russischen Verluste auf etwa 270.000 Menschen. Die Aussagen wurden am 23. September 2026 im Umfeld der UN-Generalversammlung veröffentlicht und von ukrainischen Medien aufgegriffen.
Die genannten Flächen- und Verlustzahlen sind Selenskyj zugeschrieben und lassen sich derzeit nicht unabhängig in vollem Umfang verifizieren. Offizielle Karten oder Lageberichte ukrainischer Behörden und internationale Auswertungen verwenden unterschiedliche Methoden und kommen teils zu abweichenden Ergebnissen. Selenskyj stellte seine Schätzung in den Kontext eines im Vergleich zu früheren Kriegsphasen verlangsamten Frontverlaufs. Nach seinen Worten sei der Preis, den Russland für begrenzte Geländegewinne zahle, hoch; zugleich bleibe die militärische Lage volatil.
Inhaltlich betonen die Aussagen drei Punkte. Erstens: Territorial hat sich die Frontlinie im Jahresverlauf nur in Teilen verschoben. Selenskyj hebt hervor, dass die jüngsten Nettoveränderungen deutlich geringer seien als in Phasen, in denen russische Truppen mehrere tausend Quadratkilometer binnen eines Jahres besetzten. Zweitens: Bei den von ihm genannten Verlusten handelt es sich um politisch kommunizierte Schätzungen. Unabhängige Forschergruppen, Geheimdienste und internationale Organisationen legen regelmäßig eigene, teils stark abweichende Zahlen vor; eine einheitliche, von allen Seiten akzeptierte Gesamtbilanz existiert nicht. Drittens: Politisch verbindet Selenskyj die Lageeinschätzung mit dem Appell an Partnerstaaten, die militärische, wirtschaftliche und humanitäre Unterstützung fortzusetzen.
Selenskyj verwies zudem darauf, dass russische Behörden aus seiner Sicht Erfolge überhöhten, während in der Kommandokette nicht alle Informationen offen weitergegeben würden. Auf ukrainischer Seite wird die Stabilisierung kritischer Infrastrukturen und die Vorbereitung auf die Wintermonate betont. Entscheidungen über weitere Sanktionen, Militärhilfe und Hilfsprogramme bleiben Gegenstand internationaler Beratungen bei den Vereinten Nationen und in Hauptstädten westlicher Partner. Verlässliche Schlüsse zur künftigen Entwicklung an der Front lassen sich aus den vorliegenden, überwiegend parteilichen Angaben nicht ziehen; neue, unabhängig belegte Lageberichte werden entscheidend sein.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).