Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, er werde sich nicht länger als Vermittler in der Auseinandersetzung zwischen Regierung, Abgeordneten der Werchowna Rada und dem Vorsitzenden der Nationalbank der Ukraine (NBU), Andrij Pyschnyj, betätigen. Zugleich kündigte er an, keine Schritte zur Absetzung des Notenbankchefs einzuleiten. Das sagte Selenskyj am 23. August 2026 vor Journalisten, wie Interfax-Ukraine berichtete.
Die Äußerung fällt in eine Phase erhöhter Spannungen zwischen der Führung der Nationalbank der Ukraine und Teilen der Politik. Nach Angaben von Ukrinform wurde Andrij Pyschnyj in die Werchowna Rada zu einer Anhörung geladen; Hintergrund ist demnach die Situation rund um Sense Bank. Einzelne Abgeordnete hatten in den vergangenen Tagen öffentlich Kritik am Kurs der Notenbank geäußert und personelle Konsequenzen ins Spiel gebracht. Bestätigte Angaben zu möglichen disziplinarischen Schritten liegen nicht vor.
Selenskyjs Position zielt erkennbar darauf, politische Einflussnahme auf die Spitze der Notenbank zu begrenzen. Die Unabhängigkeit der Zentralbank gilt als zentrale Voraussetzung für makroökonomische Stabilität; internationale Partner, darunter der Internationale Währungsfonds, haben diese Trennung von Politik und Geldpolitik in der Ukraine wiederholt betont. Mit dem Verzicht auf eine eigene Initiative zur Ablösung Pyschnyjs unterstreicht der Präsident, dass Entscheidungen über die Personalie nicht aus dem Präsidialamt heraus forciert werden sollen.
Formell sind für Ernennungen und Entlassungen an der Spitze der Nationalbank der Ukraine klar geregelte Verfahren vorgesehen: Das Gesetz ordnet diese Schritte einem parlamentarischen Prozess zu, in dem der Präsident eine Vorschlagsrolle hat. Selenskyj nannte weder Fristen noch inhaltliche Bewertungen zu den kursierenden Vorwürfen. Seine Erklärung trennt damit die Rolle des Präsidialamts von laufenden politischen Debatten und etwaigen Untersuchungen.
Welche Folgen die Stellungnahme kurzfristig für das Verhältnis zwischen Notenbank, Regierung und Werchowna Rada hat, ist offen. Sie dämpft Erwartungen an eine unmittelbare Intervention des Präsidenten, verändert aber den parlamentarischen Druck auf Andrij Pyschnyj nicht automatisch. Für die Finanzpolitik bleibt entscheidend, dass die Handlungsfähigkeit der Nationalbank der Ukraine gewahrt wird und die Kommunikation mit den internationalen Partnern – einschließlich des Internationalen Währungsfonds – verlässlich bleibt. Ob und inwieweit die Auseinandersetzung um Sense Bank darüber hinausgehende Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Gläubigern und Investoren hat, lässt sich derzeit nicht abschätzen; belastbare Zahlen oder formale Beschlüsse dazu lagen am 23. August 2026 nicht vor.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).