Die Leiterin des Dignitas Fund, Liubov Shypovych, hat am 29. Oktober 2026 in der Ukrainska Pravda dargelegt, warum die ukrainische Luftabwehr nicht jeden anfliegenden Flugkörper oder jede Drohne zerstört. Anlass sind die anhaltend intensiven russischen Angriffe auf Kiew und andere Städte sowie die öffentliche Debatte über Abwehrlücken.
Shypovych betont, Luftverteidigung sei mehr als der Moment des Abschusses: Sie beruhe auf einem Verbund aus Aufklärung, Verfolgung und Wirkmitteln. Unterschiedliche Radartypen seien für verschiedene Geschwindigkeits- und Höhenprofile ausgelegt; fehle eine passende Abdeckung, könnten Ziele wie tieffliegende Shahed-Drohnen lokal unzuverlässig erfasst werden. Nach ihrer Darstellung entscheidet die Kombination von Sensoren und verfügbaren Wirkmitteln darüber, was zu welchem Zeitpunkt abgefangen werden kann.
Für ballistische Bedrohungen verweist Shypovych auf die hohe Bedeutung des Systems Patriot. Dessen Abfangraketen seien weltweit nur begrenzt verfügbar, und Liefertermine blieben unsicher. Solange diese Engpässe bestünden, könne die Abwehr nicht flächendeckend jeden Angriff dieser Kategorie neutralisieren. Diese Einordnung ist eine fachliche Einschätzung der Autorin, sie richtet sich ausdrücklich gegen unrealistische Erwartungen an sofortige, lückenlose Schutzwirkungen.
Zu inländischen Entwicklungsprojekten wie Fire Point hebt Shypovych Fortschritte hervor, warnt jedoch vor überzogenen Hoffnungen: Antiballistische Fähigkeiten auf dem Niveau etablierter Systeme ließen sich nicht in wenigen Monaten aufbauen. Gleichwohl gebe es gegen Marschflugkörper und reaktive Drohnen ein breiteres Spektrum an Abwehrmethoden, von bodengebundenen Systemen und elektronischen Mitteln bis zu mobilen Führungs- und Lagepunkten, die Entscheidungswege verkürzen sollen.
Ein zentrales Argument ist die Kostenlogik moderner Luftverteidigung. Teure Abfangraketen gegen sehr preisgünstige Angriffswaffen einzusetzen, sei auf Dauer nicht tragfähig. Deshalb setze der Dignitas Fund darauf, bezahlbare, in Serie verfügbare Komponenten schnell zu erproben und dort einzuführen, wo sie die Wirksamkeit bestehender Systeme erhöhen, etwa durch mobile Kommandopunkte und unbemannte Plattformen. Konkrete Einsatzorte nennt die Kolumne nicht.
Shypovych trennt in ihrer Darstellung zwischen belegbaren technischen Grenzen, bekannten Lieferengpässen und persönlichen Bewertungen. Ihre Ausführungen zielen darauf, die öffentliche Erwartung an die Luftabwehr der Ukraine zu justieren und gleichzeitig den Spielraum für realistische, zeitnah umsetzbare Verbesserungen – nationale Entwicklungen eingeschlossen – zu umreißen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).