Die Ukraine stellt eine Aussetzung ihrer Drohnen- und Raketenangriffe auf russische Ölraffinerien in Aussicht – unter der Bedingung, dass Russland seinerseits Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur beendet. Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte diese Gegenseitigkeitsklausel nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in New York am 22. September 2026. Ein einseitiger Verzicht komme nicht infrage, betonte Kiew.
Hintergrund sind nach übereinstimmenden Medienberichten Bedenken in Washington, dass die ukrainischen Schläge die Diesel- und Benzinversorgung beeinträchtigen und internationale Märkte destabilisieren könnten. Trump habe Selenskyj demnach gedrängt, Angriffe auf Raffinerien zu drosseln. Selenskyj und ukrainische Vertreter knüpften demgegenüber jede „Energie-Waffenruhe“ an klare Zusagen Moskaus, kritische Energieanlagen in der Ukraine nicht mehr ins Visier zu nehmen. Diese Position wurde in den vergangenen Tagen in mehreren öffentlichen Auftritten bekräftigt.
Bestätigte wechselseitige Verpflichtungen gibt es bislang nicht. Russland hat eine solche Vereinbarung nach derzeitigem Stand nicht bestätigt. Gleichzeitig wurden in den Tagen nach den Gesprächen weitere Angriffe auf Energieziele gemeldet – ukrainische Behörden berichten von russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf Stromnetze und Kraftwerke, während in Russland wiederholt Drohnenabwehr über Raffineriestandorten aktiviert worden sein soll. Angaben zu Verantwortlichen und Schäden lassen sich in Echtzeit nicht unabhängig verifizieren.
Für Kiew ist die Debatte sicherheitspolitisch und ökonomisch heikel. Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien zielen darauf ab, Russlands Treibstoffversorgung und Kriegsökonomie zu schwächen. Zugleich wirken sie auf Energiepreise, Versicherungsrisiken und Logistik in Drittstaaten. Eine begrenzte „Energie-Waffenruhe“ könnte kurzfristig die zivile Infrastruktur schützen, würde aber nur dann Bestand haben, wenn überprüfbare Verifikations- und Durchsetzungsmechanismen vereinbart werden. Kiew verlangt dafür klare, dokumentierte Garantien.
Ein formelles Abkommen lag bis zum Morgen des 28. September 2026 nicht vor. Ob und in welcher Form eine solche Übereinkunft zustande kommt, hängt von weiteren Gesprächen zwischen Kiew, Washington und Moskau ab. Die Ukraine behält sich nach eigener Darstellung vor, bei anhaltenden Angriffen auf ihre Energieinfrastruktur wieder russische Anlagen zu treffen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).