Am 1. November 1918, dem Allerheiligentag, übernahmen ukrainische Einheiten in Lemberg (ukrainisch Lviv, polnisch Lwów) in den frühen Morgenstunden die Kontrolle über strategische Gebäude und Behörden. Das Kommando stützte sich maßgeblich auf die Ukrainischen Sitsch‑Schützen und lokale Formationen. Der Ukrainische Nationalrat erklärte seine Autorität in Ostgalizien; wenige Tage später, am 13. November, wurde die Westukrainische Volksrepublik als staatlicher Rahmen formell proklamiert.
Die Machtübernahme, in der ukrainischen Erinnerung als Lystopadovyj čin (November-Aufstand) verankert, traf eine multiethnische Stadt im Umbruch nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie. Polnische Kräfte organisierten rasch den Widerstand. Aus den zunächst lokal begrenzten Gefechten entwickelten sich Straßenkämpfe, die bis in die zweite Novemberhälfte andauerten. Am 21./22. November gewannen polnische Truppen in Lemberg die Oberhand. Die Kämpfe standen am Beginn des polnisch‑ukrainischen Krieges um Galizien, der bis 1919 andauerte und von beiden Seiten militärisch und diplomatisch geführt wurde.
Historisch ist unbestritten, dass die ukrainische Seite am 1. November Schlüsselobjekte besetzte und die bisher österreichischen Institutionen durch eigene Behörden ersetzte. Ebenfalls belegt ist, dass Polen die Kontrolle über die Stadt noch im November zurückerlangten, während die Frontlinien in Ostgalizien in den folgenden Monaten mehrfach verschoben wurden. Die Westukrainische Volksrepublik versuchte, ihre Staatlichkeit zu festigen und baute mit der Ukrainischen Galizischen Armee reguläre Streitkräfte auf. Polen konsolidierte parallel seine staatlichen Strukturen in der entstehenden Zweiten Polnischen Republik und erhielt im weiteren Verlauf militärische Verstärkung.
Die Bewertung der Ereignisse bleibt in Teilen perspektivabhängig, die Kernfakten gelten jedoch als gesichert: Lemberg war im November 1918 Schauplatz der ersten großen Auseinandersetzung zwischen polnischen und ukrainischen Formationen nach dem Ende der Habsburgermonarchie; das Ergebnis vor Ort fiel zugunsten Polens aus, während der politische und militärische Streit um Galizien fortbestand. Der Jahrestag markiert damit eine Schlüsselstelle der osteuropäischen Nachkriegsordnung, deren Auswirkungen in der regionalen Erinnerungskultur in Lviv, Polen und der Ukraine bis heute präsent sind.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).