Heute in der Geschichte

Was geschah am 18. September in der Ukraine?

Am 18. September bündelt die Ukraine markante Wendepunkte ihrer Kirchen-, Kriegs-, Staats- und Reformgeschichte: Der Kiewer Kirchensynod von 1640 beschließt sein Programm in der Sophienkathedrale; am 18. September 1943 befreien Verbände der Roten Armee Myrhorod; am 18. September

Der 18. September ist in der Geschichte der Ukraine ein Datum präziser Entscheidungen. In Kiew endete 1640 ein orthodoxer Kirchensynod, der unter Metropolit Peter Mohyla die Lehr‑ und Disziplinarordnung der Metropolie neu fasste. In der Poltawa‑Region schlug am 18. September 1943 die Stunde der Befreiung von Myrhorod. In der späten Sowjet‑ und frühen Unabhängigkeitsphase institutionalisierte die Oberstaatsgewalt am 18. September 1991 mit einer rechtsförmigen Festlegung den offiziellen Gebrauch der blau‑gelben Nationalfarben. Ein knappes Vierteljahrhundert später wandte sich Präsident Petro Poroschenko am 18. September 2014 im Washington, D.C., an eine gemeinsame Sitzung von Repräsentantenhaus und Senat. Und wiederum exakt an diesem Tag, 2019, beschloss das Kabinett der Minister der Ukraine die eigentumsrechtliche Trennung von Naftogaz, um den Gasmarkt europarechtskonform zu ordnen. Diese fünf, jeweils auf den 18. September datierten Ereignisse markieren Glauben, Krieg, Staatssymbolik, Außenpolitik und Energiepolitik – und damit zentrale Felder des ukrainischen Staatswerdens.

Ukraine am 18. September

18. September 1640: Schluss des Kiewer Kirchensynods in der Sophienkathedrale unter Peter Mohyla

Vom 8. bis zum 18. September 1640 tagte in Kiew der orthodoxe Kirchensynod, den Metropolit Peter Mohyla zur Vereinheitlichung von Lehre, Liturgie und Disziplin der Kiewer Metropolie einberufen hatte. Mit dem Synodenschluss am 18. September legten die Teilnehmer die Grundlage dafür, den ausgearbeiteten Katechismus – das später als Orthodoxes Glaubensbekenntnis bekannte Werk – den Ostkirchen vorzulegen. Der Synodenverlauf, Ort (Sophienkathedrale) und die Daten 8.–18. September sind in der Enzyklopädie der Geschichte der Ukraine der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Stichwort „Kyjiwskyj pravoslavnyj cerkovnyj sobor 1640“) ebenso dokumentiert wie in der Mitteilung der Nationalen Historischen Bibliothek der Ukraine. Ergänzend betont die Orthodox Church in America, dass Mohylas Schriften 1640 auf einem Konzil in Kiew als akzeptabel beurteilt wurden. Der 18. September steht damit als präziser Abschluss eines Reformforums, das über Jassy (1642) und die Bestätigung der vier östlichen Patriarchen (1643) die kirchliche Praxis im Kiewer Metropolbereich langfristig prägte. Begriffe wie Kiew, Sophienkathedrale, Peter Mohyla, Orthodoxes Glaubensbekenntnis und Jassy gehören unmittelbar zu diesem Vorgang.

18. September 1943: Myrhorod wird befreit – Durchbruch der 373. und 93. Schützendivision

Am 18. September 1943 drangen Truppen der Roten Armee in Myrhorod (Poltawa‑Region) ein. Nach übereinstimmenden lokalen Quellen setzte um 10 Uhr der entscheidende Vorstoß ein: Einheiten der 373. Schützendivision und der 93. Schützendivision brachen die deutschen Stellungen und stießen in die Stadt vor; ein Bataillon des 1237. Schützenregiments unter Hauptmann Kowal gehörte zu den ersten, die das Stadtzentrum erreichten. Bereits am 19. September 1943 erhielten beide Divisionen die Ehrenbezeichnung „Myrhorodska“ – eine direkte Würdigung der Kämpfe des Vortages. Die offizielle Stadtseite Myrhorods führt den 18. September ausdrücklich als Befreiungstag, und die Chronik des örtlichen Holocaust‑Museums präzisiert Uhrzeit und beteiligte Verbände. Damit ist der 18. September als exakter Kalendertag des Übergangs von Besatzung zu Wiederaufbau in Myrhorod belegt – ein markantes Etappensignal auf dem Vormarsch zum Dnepr im Operationsraum der Woronjescher Front.

18. September 1991: Die Präsidiums‑Resolution „Pro prapor Ukraïny“ verleiht dem blau‑gelben Banner offiziellen Status

Am 18. September 1991 erließ die Präsidie der Werchowna Rada die Resolution Nr. 1567‑XII „Pro prapor Ukraïny“ (Über die Flagge der Ukraine). Sie gestattete bis zur Annahme der Verfassung die Verwendung des blau‑gelben Nationalbanners in protokollarischen Anlässen staatlicher Stellen. Das genaue Datum, der Wortlaut und die Geschäftsnummer sind in der amtlichen Gesetzesdatenbank der Werchowna Rada (zakon.rada.gov.ua) dokumentiert; Parlaments‑ und Archivportale (u. a. der Staatsarchive Charkiw und das Zentralarchiv der Obersten Staatsorgane) bestätigen die Entscheidung. Der Beschluss steht im institutionellen Kontext des Sommer‑ und Herbstes 1991: Auf das Hissen des blau‑gelben Banners über dem Parlamentsgebäude am 4. September folgte am 18. September die rechtsförmige Protokollregel, die der spätere Parlamentsakt „Pro Deržavnyj prapor Ukraïny“ (28. Januar 1992) zur dauerhaften Staatssymbolik fortführte. Begriffe wie Werchowna Rada, Flagge der Ukraine, blau‑gelb und Präsidiums‑Resolution sind integraler Bestandteil dieses Vorgangs.

18. September 2014: Präsident Petro Poroschenko appelliert im Kapitol an den Kongress der Vereinigten Staaten

Am 18. September 2014 sprach Präsident Petro Poroschenko in Washington, D.C., vor einer gemeinsamen Sitzung von Repräsentantenhaus und Senat. Er verband die Bitte um Unterstützung gegen die russische Aggression mit dem prägnanten Satz, man könne einen Krieg nicht mit Decken gewinnen. Der Auftritt ist durch die amtliche Congressional‑Record‑Dokumentation und Bild‑ bzw. Videoquellen (u. a. DVIDS und Berichte großer Medien wie TIME) belegt. Am selben Tag bekräftigte Präsident Barack Obama nach einem Treffen im Weißes Haus öffentlich die Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Ukraine; das offizielle Transkript der „Remarks following a meeting with President Petro Poroshenko of Ukraine“ (govinfo/whitehouse archives) fixiert Datum und Inhalte. Der 18. September 2014 wird damit zum klar datierten Knotenpunkt transatlantischer Partnerschaft: Poroschenkos Rede im Kongress der Vereinigten Staaten und die bilateralen Erklärungen im Weißes Haus verstärkten die außenpolitische Rückendeckung Kiews.

18. September 2019: Das Kabinett der Minister der Ukraine billigt das Unbundling‑Modell für Naftogaz

Am 18. September 2019 fasste die Regierung in Kiew einen energiepolitischen Beschluss mit struktureller Tragweite: Das Kabinett der Minister der Ukraine billigte das Modell zur eigentumsrechtlichen Trennung (Unbundling) der Naftogaz‑Gruppe und übertrug zugleich dem Finanzministerium die Verwaltung von 100 Prozent der Aktien der Magistraľni hazoprovody Ukraïny (MGU). Damit wurde die Ausgliederung eines unabhängigen Fernleitungsbetreibers (Operator GTS Ukraïny) vorbereitet und die Umsetzung des Dritten Energiepakets der EU auf den Weg gebracht. Die offizielle Regierungsmitteilung (ukrainische und englische Fassung auf kmu.gov.ua) nennt Datum und Kerninhalte präzise; Folgeverlautbarungen von Naftogaz dokumentieren den Abschluss des Prozesses zum 1. Januar 2020 und die internationale Zertifizierung. Der 18. September markiert somit den exakten Regierungstermin, der Versorgungssicherheit, Marktintegration und Investitionsfähigkeit des ukrainischen Gastransportsystems stärkte.

Ein Datum, viele Geschichten

Der 18. September erweist sich in der Ukraine als Datum präziser Weichenstellungen: In der Kiewer Sophienkathedrale schloss 1640 ein Kirchensynod, der unter Peter Mohyla das Orthodoxes Glaubensbekenntnis auf den Weg brachte; in Myrhorod markierte der 18. September 1943 den militärischen Umschwung; 1991 regelte die Präsidiums‑Resolution „Pro prapor Ukraïny“ den offiziellen Gebrauch des Blau‑Gelb; 2014 artikulierte Petro Poroschenko im Kongress der Vereinigten Staaten die Sicherheitsbedürfnisse des Landes; und 2019 beschloss das Kabinett der Minister der Ukraine das Unbundling von Naftogaz hin zu einem unabhängigen Fernleitungsbetreiber nach europäischem Recht. Diese genau datierten Entscheidungen verbinden religiöse Selbstvergewisserung, militärische Befreiung, Staatssymbolik, Bündnis‑Diplomatie und Marktordnung – und zeigen, wie die Ukraine an neuralgischen Punkten Verantwortung übernahm und ihre Handlungsspielräume erweiterte.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

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